Schweizer Unternehmen pumpen Milliarden in zusätzliche Produktionskapazitäten

Produktionskapazitaeten

Wie in allen Ländern des Westens ist auch der schweizerische Industriesektor seit den 1960 Jahren stark redimensioniert worden. Von einer Deindustrialisierung wie in Griechenland oder den Vereinigten Staaten ist die Schweiz aber dennoch weit entfernt. Gegenwärtig lässt sich ein Trend beobachten, der Anlass zum Optimismus gibt: Große Industrieunternehmen wie Novartis, Nestlé, Roche, Rolex, Migros, Syngenta und ABB investieren große Summen in neue Werke. Mittelstandsunternehmen wie Bobst, CPH und die Brauerei Locher Appenzel erweitern ebenfalls ihre Produktionskapazitäten. Befürchtungen, die Schweiz könnte sich über kurz oder lang zu einem reinen Dienstleistungsland entwickeln, wird damit der Wind aus den Segeln genommen.

Noch zu Beginn der 1960er Jahre arbeitete in der Schweiz jeder zweite Erwerbstätige in einem der zahlreichen Industriebetriebe. Alleine in der Textilbranche verdienten mehr als 400.000 Menschen ihr Geld. In den 70er- und 80er-Jahren gingen die Beschäftigtenzahlen signifikant zurück, bevor in den frühen 90er-Jahren eine Trendwende einsetzte. In dieser Zeit verzeichnete die Industrie ein nie dagewesenes Produktivitätswachstum, das nach der Jahrtausendwende nochmals eine deutliche Beschleunigung erfuhr. Seit dem Jahr 2000 nimmt die Zahl der abhängig Beschäftigten im Industriesektor wieder zu.

Die Schweiz bleibt das am stärksten industrialisierte Land der Erde

Die Denkfabrik Avenir Suisse bezeichnete die Schweiz im Jahr 2011 als den “am stärksten industrialisierten Staat der Welt”. Die Industrieproduktion pro Kopf, eine der wichtigsten Kennzahlen für den Wohlstand und die Zukunftsfähigkeit eines Landes, liegt mit 12.400 US-Dollar deutlich höher als in Deutschland und anderen wichtigen Industrienationen. Die höchste Pro-Kopf-Wertschöpfung in der heimischen Volkswirtschaft wird durch Branchen wie die Pharmaindustrie und den Maschinenbau generiert. Doch auch der 3D-Druck wird immer beliebter – de facto verkauft die Schweizer Post neuerdings 3D-Drucker und Zubehör. Dass der 3D-Druck schon lange den Kinderschuhen entwachsen ist, beweist der interessante Artikel dieses Copyshops aus Berlin.

Das Negativbeispiel England zeigt die Folgen der Deindustrialisierung

Im Vereinigten Königreich lässt sich beobachten, was es bedeutet, wenn ein Land seine Produktionskapazitäten auf ein Minimum zurückfährt. In England begann die Deindustrialisierung der einstmals starken Eisen- und Stahlindustrie bereits kurz nach Kriegsende. Während des Krieges wurden noch etwa 20 Mio. Tonnen Stahl hergestellt; nach der Verstaatlichung mehrerer großer Unternehmen schrumpfte die Produktion bis zum Ende der 60er-Jahre auf 50.000 Tonnen. Im Zuge der Stahlkrise von 1975 kam es zu weiteren Arbeitsplatzverlusten. Vor allem die Schiffsbauindustrie litt erheblich unter den Rationalisierungsmaßnahmen.

Zudem verschwand die Textilindustrie, in der fast eine Million Menschen beschäftigt waren, bis zum Ende der 1970er Jahre fast vollständig. Von diesem Schlag hat sich die britische Wirtschaft bis heute nicht erholt. Heute werden mehr als 40 Prozent des Bruttoinlandproduktes von der City of London generiert, dem wichtigsten Finanzplatz der Erde. Da es sich bei den Geldgeschäften jedoch überwiegend um Transaktionen handelt, bei denen keine echten Werte geschaffen werden, ist der weitere wirtschaftliche Niedergang Englands bereits vorgezeichnet.

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