Neurowissenschaften und Finanzen: Welcher Bereich des Gehirns ist für Finanzen zuständig?

brain-001-1172516-639x394Welche neuronalen Prozesse laufen ab, wenn wir finanzielle Entscheidungen treffen? Welche Bereiche des Gehirns werden aktiv, wenn sich ein Investmentbanker zwischen zwei Fonds entscheiden muss? Wie stark werden finanzielle Entscheidungen von Emotionen beeinflusst?

Mit Fragen dieser Art beschäftigen sich Mitarbeiter der Universität der Miami School of Business. Im neuen Neuro-Labor der Universität werden mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) oder Eyetracker-Geräten Experimente an Studenten der Finanzwissenschaften durchgeführt werden.

Emotionen beeinflussen Entscheidungen

Den Probanden werden beispielsweise stimmungsverändernde Videos (erheiternd oder beängstigend) gezeigt und anschließend werden sie gebeten, eine finanzielle Entscheidung zu treffen. Dabei wird beobachtet, ob unterschiedliche Entscheidungen abhängig vom emotionalen Zustand, in dem sich der Proband befindet, getroffen werden. Und wer hätte es gedacht: Der emotionale Zustand hat einen Effekt auf die finanzielle Entscheidung: Im heiteren Zustand sind wir mehr in „Ausgabelaune“, in gedrücktem Zustand sind wir skeptisch und vorsichtig. Menschen, auch solche in der Finanzbranche, sind weitaus weniger rational, als man es gemeinhin glaubt.

Bereits Kleinigkeiten haben Einfluss auf Entscheidungen

In anderen Experimenten konnte nachgewiesen werden, dass Namen allein bereits unsere Entscheidung beeinflussen können. Wenn sich zum Beispiel ein Investmentbanker in den USA zwischen zwei auf den Zahlen identischen Fonds entscheiden muss – bis auf den Unterschied, dass der eine von einem William und der andere von einem Mohammed geleitet wird – entscheiden sich deutlich mehr für den ersteren.

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Welcher Bereich des Gehirns ist für Finanzen zuständig?

Einer der entscheidenden Punkte all dieser Untersuchungen ist die Tatsache, dass es so etwas wie Geld oder Finanzen in der Natur nicht gibt. Dies bedeutet, dass Menschen bei finanziellen Entscheidungen Bereiche des Gehirns heranziehen, die anderen Zwecken dienen. Nach heutigem Erkenntnisstand sind zwei Bereiche im Gehirn, die normalerweise mit Emotionen in Verbindung gebracht werden, an der Entscheidungsfindung beteiligt.

Nucleus Accumbens

Der Nucleus Accumbens, eine erdnussgroße Region im Gehirn, die mit Emotionen in Verbindung steht, wird aktiv, wenn jemand eine Belohnung primärer Natur erwartet (wie zum Beispiel Wasser, wenn man durstig ist oder Süßes bei Heißhunger). Dieser Bereich wird jedoch auch dann aktiv, wenn wir eine finanzielle Belohnung erwarten – sogar bevor wir das Geld erhalten. Das heißt, selbst Anzeichen potenzieller Belohnung (wie z.B. Automaten in Casinos) können diesen Bereich aktivieren. Und wenn dieser Bereich aktiviert ist, neigt man zu risikoreicheren Entscheidungen.

Insula

Die vordere Insula ist ein weiterer Bereich im Gehirn, der mit Emotionen in Verbindung gebracht wird. Dieser Bereich wird normalerweise dann aktiv, wenn man Ekelerregendes sieht oder physischen Schmerz erwartet. Er wird aber aktiv, wenn wir kurz vor einer risikoreichen Entscheidung stehen und hohe Aktivität in diesem Bereich verleitet uns zu einer weniger risikoreichen Entscheidung.

Fazit
Man sollte sich eingestehen, dass Emotionen Einfluss auf Entscheidungen haben – auch solche finanzieller Art. Dabei lohnt es sich, Vorteile und Nachteile niederzuschreiben und etwas (zeitlichen) Abstand vor der eigentlichen Entscheidung zu nehmen, um ad-hoc bzw. emotionale Entscheidungen zu vermeiden. Man sollte auch bedenken, dass positive Anreize wie z.B. ein Schokokuchen den Nukleus Accumbens im Gehirn aktivieren können, was wiederum zu risikoreicheren Entscheidungen führen kann – auch hier lohnt es sich, mit der Entscheidung abzuwarten und sich zu fragen, ob man sich auch morgen genauso entscheiden würde.

2 thoughts on “Neurowissenschaften und Finanzen: Welcher Bereich des Gehirns ist für Finanzen zuständig?

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