Neurowissenschaften: Hat Meditation einen nachweisbaren Effekt?

meditation wirkungImmer mehr Menschen meditieren. Gerade wer tagtäglich besonderem Stress ausgesetzt ist, setzt auf die Wirkung von Meditation. De facto meditieren die meisten Chefs der führenden Unternehmen in den USA. Doch was sagt die Wissenschaft eigentlich zu Meditation? Bietet Meditation wirklich nachweisbare Vorteile?

Studien zur Wirkung von Meditation

Es gibt in der Tat wissenschaftliche Studien zur Wirkung von Meditation. Meditation soll die Aufmerksamkeit und emotionale Kontrolle verbessern und es gibt sogar Anzeichen dafür, dass Meditation die Biologie des Gehirns verändert. (1) So konnte nachgewiesen werden, dass Achtsamkeitsmeditation zu verschiedenen Änderungen in der Gehirnstruktur und Funktion des Gehirns führt.

Mithilfe von bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung konnte gezeigt werden, dass erfahrene Meditierende über mehr Hirngewebe in einer Hirnregion verfügen, die die Aufmerksamkeit und das Impulsverhalten kontrolliert und bessere Ablenkungen wiederstehen und sich besser über längere Zeit konzentrieren können. (2) Allerdings muss gesagt werden, dass die Interpretation derartiger „Bilder“ äußerst schwierig ist.

Andere Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die meditieren freundlicher sind, als solche, die nicht meditieren (3) und dass Meditation auf den Stoffwechsel und das Immunsystem einwirkt. (4) Darüber hinaus gibt es Belege dafür, dass Meditation das Arbeitsgedächtnis verbessern kann. (5)

Das Problem ist jedoch, dass die meisten Studien zur Wirkung von Meditation eher klein sind, sodass allgemeine Rückschlüsse äußerst schwierig sind. Die Wirkung von Meditation kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein, was mit der Erfahrung, der Persönlichkeit/Temperament und genetischen Unterschiede abhängt.

Momentan sind sich die Forscher nicht einmal darüber einig, wie lange man meditieren sollte und wie viel Erfahrung erforderlich ist, um einen Effekt zu erzielen. Und dass man mithilfe von Meditation Depressionen oder Süchte behandelt kann, scheint weit von der Realität entfernt zu sein.

Das Gehirn ist immer aktiv

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man dem Gehirn nicht ab und zu eine Pause gönnen sollte. Ob dies nun in Form eines kurzen Nickerchens, eines Spaziergangs in der Natur oder eben Meditation geschieht, ist relativ egal.

„Pause“ bedeutet jedoch nicht, dass das Gehirn runterschaltet oder gar aufhört zu arbeiten. Unser Gehirn ist ständig aktiv – auch im Schlaf. Selbst wenn wir auf der Couch liegen, verbraucht unser Gehirn etwa 10% der Gesamtenergie, die uns zur Verfügung steht. Bei höchster Beanspruchung sind es sogar bis zu 25%! Das heißt, selbst wenn wir meditieren, ist unser Gehirn aktiv. Aber gewisse mentale Prozesse erfordern einen bestimmten „Entspannungszustand“, der zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und Motivation führt und die Produktivität und Kreativität fördert. All dies ist notwendig, um Höchstleistungen im Beruf zu erzielen, aber auch um stabile Erinnerungen im Alltag zu formen.

Wer sich also in Sachen Meditation unschlüssig ist, sollte es einfach ausprobieren und nicht sofort aufgeben, wenn es nicht auf einmal klappt. Mindestens zwei Wochen Geduld sollte man anfangs mitbringen.

Studiennachweise:

1) www.pnas.org/content/107/35/15649

2) www.sciencedirect.com/science/article/pii/S027273581000173X

3) http://www.smithsonianmag.com/smart-news/meditation-may-make-you-nicer-13984590/

4) http://www.smithsonianmag.com/smart-news/breathing-deeply-may-actually-boost-your-bodys-immune-system-180951361/

5) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S027273581000173X

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