Astronomen entdecken neuen Stern im Zentrum der Milchstraße

Milchstrasse

Das Zentrum unserer Galaxie ist eine der mysteriösesten Regionen im bekannten Weltraum. Erst vor wenigen Jahren entdeckten Forscher, dass sich ziemlich genau in der Mitte der tellerförmigen Galaxie ein Schwarzes Loch mit einem monströsen Magnetfeld befindet. Später wurde dort ein Pulsar lokalisiert, der wie ein kosmisches Leuchtfeuer blinkt.

In jüngster Vergangenheit richtete sich die Aufmerksamkeit der Astronomen verstärkt auf ein Objekt, das den Namen “G2” erhielt. Wie sich nun herausstellte, handelt es sich dabei um einen staubumhüllten Stern von enormer Größe. Trotz der Nähe zum extrem massereichen Schwarzen Loch überstand dieser die Passage, ohne auseinandergerissen zu werden. Den Forschern gibt dieses Phänomen einige Rätsel auf. Die Entfernung von 215 Astronomischen Einheiten entspricht etwa dem 3.000-fachen des Ereignishorizonts der Schwarzen Lochs – im kosmischen Maßstab ist dies nur ein Steinwurf.

Lange waren die Wissenschaftler davon ausgegangen, dass es sich bei G2 um eine Gaswolke mit der dreifachen Masse der Erde handelt. Erst im Frühjahr 2014 erreichte das Objekt auf seiner Umlaufbahn um den Mittelpunkt der Galaxie die kleinste Entfernung zum Schwarzen Loch, sodass genauere Untersuchungen möglich wurden. Am Keck-Observatorium auf Hawaii warteten die Forscher gespannt auf dieses Ereignis: Sie hatten das 10-Meter-Teleskop exakt auf das Zentrum der Galaxie ausgerichtet, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und zusätzliche Daten zu sammeln.

500 Jahre für eine Umrundung

Die Auswertung ergab, dass sich das Objekt auf einer elliptischen Umlaufbahn um das Galaktische Zentrum befindet. Die Umlaufdauer liegt bei weniger als 500 Jahren. Zum Vergleich: Der am Weitesten von der irdischen Sonne entfernte Planet Neptun benötigt 175 Jahre für eine Umrundung. G2 hat etwa zwei Sonnenmassen und besitzt eine staubige Hülle, deren Ausdehnung rund 2,6 Astronomische Einheiten beträgt.

Die Temperatur von G2 wird auf ca. 290 Grad Celsius geschätzt. Dieser Wert bezieht sich allerdings auf die Staubwolke – über die Oberflächen- und die Kerntemperatur des Sterns ist bislang nichts bekannt. Da die Staubhülle wie ein Mantel über den Himmelskörper liegt, ist es fraglich, ob die Forscher dieses Rätsel werden lösen können.

G2 könnte einst ein Doppelstern gewesen sein

Nach den Theorien der Wissenschaftler sind Doppelsternsysteme, die sich in unmittelbarer Umgebung von Schwarzen Löchern befinden, anfällig für Verschmelzungen. Durch die extreme Gravitation werden sie in ihren Bewegungen gestört und bewegen sich schließlich aufeinander zu, sodass sich ein Stern mit doppelter Masse bildet. Der neue Einzelstern dehnt sich in der Folge mehr als eine Million Jahre lang aus, bevor er zur Ruhe kommt. Es wird vermutet, dass ein großer Teil der im galaktischen Zentrum befindlichen Riesensterne auf diese Weise entstehen.

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